Positionen des DJV

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DJV-Positionspapier

Neozoen in Deutschland (hier insbesondere am Beispiel der Arten Waschbär, Marderhund und Mink)

Wesentliche Teile der mitteleuropäischen Fauna und Flora sind zunächst das Ergebnis einer natürlichen, nacheiszeitlichen Einwanderung, wurden aber in der Folgezeit immer stärker vom wirtschaftenden Menschen beeinflusst und geprägt. Spätestens seit der Domestikation von Tierarten war er auch aktiv an Verschleppungen von Individuen und Populationen in bis dato unbesiedelte Lebensräume beteiligt. Seit dem 15. Jahrhundert bis heute ist eine stetige Ausbreitung auf größerer Fläche und über Kontinente hinweg festzustellen, in jüngerer Zeit gefördert durch den globalen Waren- und Personenverkehr. In Mitteleuropa wurden zahlreiche Tierarten gezielt eingebürgert oder unbeabsichtigt eingeschleppt, dieser Prozess hält weiter an.

Tierarten, die durch den Menschen absichtlich oder unabsichtlich in Lebensräume außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes gelangen, sich dort massiv ausbreiten und reproduzieren, bezeichnet das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Rio 1992) als ‘Invasive Neozoen’. Weil solche Arten heimische Arten oder deren Lebensräume bedrohen und damit die biologische Vielfalt gefährden können, haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Vorsorge gegen solche Tierarten zu treffen, sie zu kontrollieren und ggf. auch zu bekämpfen.

In Deutschland nehmen zum Beispiel die “Neubürger” Waschbär, Marderhund und Mink (Amerikanischer Nerz) ständig zu und dehnen ihr Siedlungsgebiet weiter aus. Sie profitieren dabei von ihrer Konkurrenzstärke und hohen Anpassungsfähigkeit an den Lebensraum und an unterschiedliche Umweltbedingungen (u.a. durch große Mobilität, hohe Reproduktionsrate, Nahrungsgeneralismus, Fehlen natürlicher Feinde).

Mögliche Auswirkungen sind:

  • Verdrängung heimischer Arten (z.B. Mink versus Europäischer Nerz, dessen Wiedereinbürgerung erschwert oder gar unmöglich gemacht wird; Waschbär versus Wildkatze)
  • Einfluss auf bestandsbedrohte Vogelarten (z.B. in Wiesenbrüter- und Küstenvogelschutzgebieten durch den Marderhund, in Feuchtgebieten durch Mink und Marderhund; Gefährdung von Raufusshühnern bzw. Höhlenbrütern im Wald durch den Waschbär)
  • Überträger von Tierseuchen wie Tollwut und Räude, Wirtstier für den Kleinen Fuchsbandwurm (z.B. Marderhund)
  • Gesundheitliche Gefährdung des Menschen durch den Waschbärspulwurm
  • Übertragung von Krankheiten auf Haustiere (z.B. Waschbär)

Waschbär, Marderhund und Mink gehören zu den Arten, die nach der Empfehlung Nr. 77 der Berner Konvention (1999) streng kontrolliert werden sollen, weil sie die biologische Vielfalt gefährden.

Forderungen:

Um die vorhandene Artenvielfalt in Deutschland zu erhalten, ist ein Gesamtkonzept zum Wildtiermanagement in Kulturlandschaften erforderlich. Dabei muss auch die Frage nach dem künftigen naturschutz- bzw. jagdrechtlichen Umgang mit den konkurrenzstarken Neozoen eindeutig geklärt werden.

Eine zukünftige ‘Nationale Strategie gegen invasive gebietsfremde Arten’ muss aus Sicht des DJV in Bezug auf Marderhund, Mink und Waschbär folgende Maßnahmen beinhalten:

  • Abbau erheblicher Wissensdefizite, insbesondere durch Förderung ökosystemarer bzw. seuchenbiologischer Forschung.
  • Bundesweites flächendeckendes Monitoring und Dokumentation der Ausbreitungsdynamik. Hierzu steht das vom DJV initiierte Wildtier-Informationssystem (WILD) bereit.
  • Bundeseinheitliche Erfassung der Jagdstrecken und Totfunde.
  • Aufnahme der Arten in das Jagdrecht aller Bundesländer Deutschlands. Dabei sollte die Hegeverpflichtung für die betreffenden Arten ausgeschlossen werden.
  • Effektive Fangjagd als wirkungsvolles und zielgerichtetes Instrument zur Bejagung der Problemarten.
  • Zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit (Aufklärung und Bewusstseinsbildung) über die Problematik der drei genannten Arten und die Notwendigkeit jagdlicher Eingriffe.

Beschlossen anlässlich der Delegiertenversammlung in Neubrandenburg

3. Juni 2005