Wildtierkorridore jetzt !
Gemeinsames Positionspapier von
Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND),
Deutscher Jagdschutz-Verband (DJV) und
Naturschutzbund (NABU)
Weltweit sind sich Ökologen einig, dass Lebensraumzerschneidung eine der wichtigsten Ursachen der Gefährdung der Biologischen Vielfalt in Industrieländern ist und dass sich Lebensgemeinschaften nur an den Klimawandel anpassen können, wenn Arten wieder großräumig wandern können. Zudem sind Arten wie Wolf, Luchs und Wildkatze, aber auch Rotwild auf die großräumige Vernetzung ihrer Lebensräume angewiesen.
Im Jahr 2002 haben DJV, NABU und der WWF Deutschland erstmals gemeinsam gefordert
- die noch unzerschnittenen, verkehrsarmen Lebensräume zu erhalten,
- neue Zerschneidungen zu vermeiden,
- negative Auswirkungen von Verkehrswegen zu lindern,
- einen nationalen Biotopverbund einzurichten und
- ein nationales Entschneidungsprogramm zu beschließen, bei dem auch die Anknüpfungspunkte zum Ausland berücksichtigt werden.
Die gemeinsame Fachtagung (21.02.2008, Berlin) von BUND, DJV und NABU, initiiert und unterstützt von der Dr. Joachim und Hanna Schmidt Stiftung für Umwelt und Verkehr und in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz hat gezeigt, dass in der Zwischenzeit von den Verbänden und Behörden wichtige Entscheidungsgrundlagen erarbeitet wurden um jetzt zu handeln, denn:
- die bedeutsamsten Lebensraumkorridore für Wildtiere sind mittlerweile bekannt,
- die Verbände haben konkrete Vorschläge zur Überwindung von Barrieren vorgelegt,
- die Bundesländer haben ihre Biotopverbundplanungen fachlich weiterentwickelt,
- die Wirksamkeit von Querungshilfen für Wildtiere wie Grünbrücken oder Durchlässe sind wissenschaftlich nachgewiesen und
- Nachbarstaaten haben bereits mit der Umsetzung ihrer Programme zur Entschneidung begonnen – nur enden diese derzeit an der deutschen Bundesgrenze.
Jetzt muss endlich auch in Deutschland gehandelt werden!
“Die Raumordnung muss alle wichtigen Achsen für den Biotopverbund dauerhaft sichern, indem die Kernflächen aller überregional bedeutsamen Wildtierkorridore als Vorranggebiete für Natur und Landschaft oder den ,allgemeinen Freiraumschutz ausgewiesen werden.
- Bestehende unüberwindbare Straßen, Schienen und Kanäle müssen von Wildtieren wieder gequert werden können. Dazu ist es in einem ersten Schritt erforderlich bis zum Jahr 2020 jährlich 15 Querungshilfen (z.B. Grünbrücken) an den erkannten, besonders kritischen Konfliktstellen zu bauen.
- Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Wildtieren soll auch zum Schutz des Menschen durch geeignete Maßnahmen um jährlich 5 % verringert werden.
- Die Isolation von Lebensräumen ist beim Aus- und Neubau von Verkehrswegen stärker zu berücksichtigten. Deshalb ist die Lebensraumzerschneidung in der Strategischen Umweltprüfung (SUP) sowie der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) stärker zu berücksichtigen. Wirksame, reale Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen sind vorzusehen: Auch ist die Umsetzung strenger zu kontrollieren.
- Der großräumige Biotopverbund muss wieder hergestellt werden, indem gemeinsam mit den Landnutzern bis zum Jahr 2020 in defizitären Verbundachsen jährlich auf 150 km Länge wieder ausreichend Trittstein- und Vernetzungshabitate entwickelt, d.h. Lebensraumkorridore für Mensch und Natur geschaffen und dauerhaft gesichert werden.
- Weil besseres Wissen dazu beitragen kann sowohl die Notwendigkeit von Maßnahmen vorzeitiger zu erkennen, deren Wirksamkeit zu optimieren als auch die Kosten zu reduzieren, müssen die Maßnahmen zur aktiven Wiedervernetzung von Anfang an wissenschaftlich begleitet werden.
Wir fordern die Bundesregierung auf ein klar beziffertes Durchführungs- und Finanzierungsprogramm zu verabschieden, als unverzichtbarer Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.
Berlin, den 21. Februar 2008